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Sinusart Berlin - Malerei & Bildhauerei Harry T. Böckmann
Sinusart Berlin / Harry T. Böckmann in der Presse

Die Farben des Harry T. Böckmann

Ausgabe Mai/Juni 2002 | Ortszeit ² | Uwe T. Baumann

Foto: Pressemitteilungen Harry T. Böckmann Seine Bilder werden nicht inflationär als mehr oder weniger gelungene Kunstdrucke verscherbelt. Man muss sie schon suchen, sich auf ihre Farben und Linien einlassen, nicht bloß im Vorübergehen. Und dazu braucht es Zeit, viel Zeit.

In der vergangenen Woche wurde in Bohnsdorf Böckmanns Ausstellung www.sinusart-berlin.de Eröffnet. Wer seine Bilder nicht kennt, wird zunächst verblüfft sein: Hier ist etwas neues zu entdecken, beinahe organisch wirkende Gespinste vereinen sich zu Formen, erst abstrakt, dann deutbar, dennoch mit reichlich Freiraum für eigene Interpretationen. Die Revitalisierung des Rendezvous zwischen Farben und Leinwand ist Böckmann in auffälliger, wohltuender Weise gelungen. Er fängt verschiedene Impressionen ein, reproduziert seine Erinnerungen und komponiert daraus seine überaus beeindruckenden Werke. Viele der gezeigten Bilder verschaffen sich über die Destruktion bekannter Malregeln Zugang zum Betrachter, manchmal allerdings wird der kompositorische Inhalt ohne Umschweife offensichtlich: Der Maler und Grafiker verarbeitete die Ereignisse des 11.September 2001 in einem von sagenhafter Wut geprägten Schaffensprozess zu einem aufwühlenden Bild, das ob seiner Brutalität wohl nie den Weg über eine Couchgarnitur finden wird. Es drückt all die Ohnmacht aus, die der Künstler unmittelbar nach dem Anschlag auf das World Trade Center erfahren haben muß.

Harry T. Böckmann von Freunden und Verehrern liebevoll >Sinus< genannt, braucht keine überdrehten, divenhaften Gesten, um seiner Kunst Respekt zu verschaffen. Er redet wenig, vor allem nicht über sich selbst, verachtet jeglichen Pomp und jene Scheintänze, wie sie neuerdings gern von etlichen Machern der allgegenwärtigen Imitationsmoderne veranstaltet werden. Endlose theoretische Hypothesen über Kunst und Künstler sind seine Sache nicht, und das hebt Böckmann definitiv aus dem Gros der Szene heraus. Sinus Bildern wohnt bisweilen eine fast mathematische Strenge inne, die mit einer überströmenden Farbigkeit kontrastiert und so in der Lage ist, imaginäre Zeiten festzuhalten, regelmäßig unregelmäßig Zu wirken, quasi als Mixtum Compositum aus Erinnerungen an erlebte Freiheiten und einem Bildrahmen als physische Grenze der Ausdruckskraft.

Böckmann ist ein Maler mit einer außerordentlichen Intensität und Konsequenz in der Entwicklung seiner Bilder und bildhauerischen Werke, einer, der am liebsten ohne Zwänge zu Pinsel und Farbtuben greift und intuitiv "losmalt". Warum ir keine Abbildung zu einem seiner Werke drucken? Ganz einfach: Wir wollen, dass Sie sich auf den Weg begeben, in die Bohnsdorfer Kulturküche. Dort sind einige seiner Bilder bis zum 02.Juni ausgestellt.

Giftgrün und Lila ohne Widerstreit

20.12.1999 | Berliner Morgenpost

Vieles ist bei Harry Böckmanns Werdegang außergewöhnlich und Spiegelbild des zu Ende gehenden Saeculums europäischer und deutscher Geschichte. Die Mutter – Exilrussin – entstammt bürgerlichem Hause, der Vater dem schwedischem Adel. Er selbst wird – den Zeitläufen geschuldet – Deutscher, Bürger der DDR und, seit 1989, des wieder zusammengeführten Landes. Die Kindheit verbringt er auf dem Landgut seines skandinavischen Großvaters, der – welch glückliche Fügung – Kunstmaler ist und sehr bald das bildnerische Talent des Enkels entdeckt. Es folgen der achtjährige Besuch einer Malschule und 1954 mit 12 die erste, mit einem Diplom gewürdigte Ausstellung an der Stockholmer Königlichen Kunstakademie. Foto: Giftgrün und Lila ohne Widerstreit In der DDR erlernt Böckmann eine Reihe von Berufen: Triebwerksmechaniker, Dreher/Schleifer, Stahlbauschlosser. Er qualifiziert sich zum Schaltmeister, studiert, wird Diplom-Ingenieur für Maschinenbau und Diplom Übersetzer. Daneben hört er in Dresden und Berlin Kunstgeschichte. All diese Tätigkeiten, die Hinwendung zu den Naturwissenschaften und zur Mathematik, die zunächst kunstfremd scheinen, erweitern essentiell seinen geistigen Horizont, lassen Handfertigkeiten wachsen und befruchten die seit 1988 dann freiberufliche Arbeit als Maler und Bildhauer. Die Berufung zur Kunst bleibt aber, ungeachtet der existentiellen Broterwerbszwänge , das eigentlich Bestimmende im facettenreichen Leben Böckmanns. Er arbeitet als Szenograph für das Theater des Ostens, entwirft in den 60er Jahren für die experimentelle Projektbühne im Schwedter „Klubhaus Arthur Becker“ unkonventionelle Dekorationen, wirkt als baugebundener Künstler, Gebrauchsgrafiker und Keramiker, und er malt, zeichnet. Böckmann geht seinen individuell – einzigartigen künstlerischen Weg, unabhängig von Kunstdozenten und Kunstströmungen. In der Plastik ist er Maler, der auf farbliche Akzente nicht verzichten kann, in der Malerei ein Bildhauer, der die Plastizität der Form im Bilde dominiere lässt. Alltäglichkeit und subtile Poesie, offene Lebensfreude und stille Zurückhaltung, präzises Abbild und schwärmerische Flüchtigkeit bilden in seinem Werk eine glückliche Synthese. Die von ihm in den letzten Jahren bevorzugte Acryltechnik erlaubt leuchtende Farbigkeit, Sattheit und Tiefe des Kolorits. Endlose Schattierungen von Rot, Rosa, Lila, Giftgrün und Kobaltblau werden ohne Widerstreit zum tragenden Element der Bildkomposition und zum faszinierenden Ausdrucksmittel des Spiels von Formen und Rhythmus. Sinus, das Pseudonym oder besser Logo des Künstlers, gibt damit seine metaphorische Bedeutung preis. Der Mathematiker und Maler hat, wie in den im Bulgarischen Kulturinstitut ausgestellten Bildern deutlich erkennbar, die Konkretheit von Landschaften auf ihre unendlich schwingenden Grundlinien, auf Talungen, Kehlungen und Hügelungen zurückgeführt, sie in dekorative, kurvig fließende Farbfahnen aufgelöst. Die Wirklichkeit eines die Vorstufen bildenden, aber leider nicht gezeigten Rügen – Aquarells erfährt eine technizistisch verfremdete Abstraktion und wird zur quasi sinnlich femininen Landschaft. An die Stelle des Authentischen tritt eine das ästhetische Moment überhöhende, zeitlose Verallgemeinerung. In der von räumlich – zeitlicher Zuordnung freien, in der entwirklichten Landschaft findet sich nun unschwer das Feminine mit seinen elementaren Formen, ebenso idealisiert und reduziert wie das natürliche Umfeld. Böckmanns Bilder lassen surreale, imaginäre, geradezu unheimliche Assoziationen entstehen, aufwühlend manchmal, mitunter auch melancholisch. Die arkadische Verträumtheit des "katalanischen Sonntags" reißt plötzlich auf und wandelt sich zur aufschreckenden >Apokalyptischen Vorahnung< eines unheilvollen Kampfes zwischen der Kraft der Schöpfung und blinder satanischer Zerstörung,. Künstlerisch kaum überzeugen kann dagegen die gefällig gemalte "Priesterin der Nacht" mit ihrer flach – plakativen Erotik.

Den Bildhauer Böckmann - Sinus zeichnet ein sensibles Verhältnis zum Holz aus, dessen Wuchs, Maserung und Struktur er liebevoll nachspürt. Seine Objekte – meist stille plastische Säulen – behalten die statuarische Form des Baumes bei. Lediglich das, was das Holz plastisch selbst vorgibt oder noch vertieft, ausgehöhlt und ausgeschnitten wird, erfährt eine sparsame farbliche Akzentuierung.


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